Illouz sieht die Anfänge des Erfolges des therapeutischen Diskurses in den Clark-Vorlesungen von Sigmund Freud in den USA.

Die Verbreitung der Psychoanalyse war für den Einzelnen sinnstiftend; er konnte sich in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche als kohärent sehen und erzählen.

Im Jahre 2009 wurde sie von der Zeitung Die Zeit in eine Reihe von zwölf Intellektuellen gewählt, die wahrscheinlich das Denken der Zukunft verändern werden.

Da diese Forschungsfragen einen breiten Rahmen abstecken, wendet Eva Illouz Methoden aus verschiedenen Wissenschaften an: historische Soziologie, Anthropologie, Analyse und Semiotik von Texten sowie qualitative Interviews, um die Überschneidungsbereiche von kulturellen Techniken, Emotionen und wirtschaftlichen Organisationen zu untersuchen.

Ihre Hauptthese ist: „Der homo oeconomicus hat emotional aufgerüstet, während das emotionale Subjekt ökonomisch verfährt.“ Die besondere Qualität von Emotionen werde verkannt und scheinbar rationalen Beurteilungen unterworfen.

Die Gewinner sind demzufolge die klinischen Psychologen, die die Wirtschaftstauglichkeit von Personen mit „emotionaler Intelligenz“ und „emotionaler Kompetenz“ bewerten: Personen mit diesen Zuschreibungen verkauften tatsächlich mehr, besonders wichtig.

Romantische Begegnungen bewegten sich vom heimeligen Haus (Privatheit) in den Bereich des (kapitalistischen) Konsums, mit dem Ergebnis, dass die Suche nach romantischer Liebe als Motor zum Verkauf von Gütern einer expandierenden Industrie avancierte, die ebendiese Güter herstellte.

Nachdem sich Illouz in dieser besonders gewürdigten Studie Der Konsum der Romantik im Jahr 2000 mit dem sozialen Wandel von „Liebe“ und „Romantik“ befasst hatte, wurde sie an die Universität Frankfurt am Main zu drei Adorno-Vorlesungen über „Emotionen und Kapitalismus“ eingeladen.

Dies sind die Wurzeln einer modernen Berater- und Selbstverbesserungskultur.

Das emotionale Verhalten der Arbeiter und des unteren und mittleren Managements sei festgelegt und ein „therapeutischer Diskurs“ in nichttherapeutischen Zusammenhängen etabliert worden, erstmals auch mit Begriffen wie Eigeninteresse, Effizienz und Zweckprinzip (mit interpretatorischen Rückbezügen auf Elton Mayo und Max Weber).

In den Interviews nimmt Illouz ihre Interviewpartner ernst, gleichzeitig versucht sie eine distanzierte Haltung einzunehmen, ähnlich der eines Psychoanalytikers, um die institutionelle Basis unserer privaten Gefühle aufzuzeigen.